Rezension zu: Glücklich Imkern von Felix Jäger, geb. Mrowka

Untertitel: Bienenhaltung für Anfänger auch ohne Imkerkurse, Kaltenkirchen 2021. (206 Seiten)

Nicht einfach sondern „glücklich Imkern“ – das ist der Ansatz, dem der Autor Felix Jäger, geb. Mrowka, sich in vorliegender Printausgabe verschrieben hat. Der Autor ist seit 2012 Imker und hat seinen Horizont auf einer einjährigen apistischen Weltreise in Australien, Neuseeland, Kanada und den Vereinigten Staaten von Amerika erweitert. Diese Erfahrungen bilden mitunter die Basis für seine Einführung in die Imkerei. Darauf aufbauend arbeitet Felix seit 2020 als Online-Imker-Pate und erweitert sukzessive sein Angebot, welches 2019 mit seinem Blog (beehappy-imkerei.de) startete und einen Meilenstein mit vorliegendem Buch erreichte.
Felix und ich sprachen in der Episode 15 von HowToBee über seinen Werdegang und seinen Ansatz. Erst im Nachgang habe ich sein Buch gelesen und kann dem virtuellem Gesprächseindruck nun eine weitere Ebene hinzufügen.

Felix, der glückliche Imker
Felix Jäger, geb. Mrowka
Felix´ Auslandsreise
Felix´ imkerliche Weltreise zum glücklichen Imker

Ausgangspunkt von Glücklich Imkern

Einführend gibt Felix einen Überblick über die natürliche Lebensweise von Honigbienen in ihrem ursprünglichen Habitat, dem Wald, in einer Baumhöhle. Dabei werden Betriebsweisen und anderes außen vorgelassen und der Fokus auf das Leben des „Superorganismus“ Bien gerichtet. Er erläutert die Zusammensetzung eines Bienenstaates, seinen natürlichen Lebensraum sowie seine Manifestation in Form von Wabenbau in einer Baumhöhle. Zur Lebensweise des Biens gehört essentiell auch das Schwärmen, also die natürliche Vermehrungsweise eines Honigbienenvolkes. Danach nimmt Felix den Leser mit durch das Bienenjahr in seinen unterschiedlichen Phasen, Winter, Frühling, Sommer und Herbst. Daraus ergibt sich ein guter Einblick in die Wandelbarkeit des Biens und seine natürlichen Prozesse.

Diese Beschreibung eines wildlebenden Honigbienenvolkes bildet den Rahmen für die weiteren Ausführungen zum Umgang mit und zur Haltung von Bienenvölkern. Dies ist sicherlich auch das wesentliche Unterscheidungskriterium von anderen Einführungen in die Imkerei, die sich oft auf eine bestimmte Betriebsweise bzw. eine spezifische Haltung von Honigbienen beziehen. Genau dies möchte Felix der Leserin überlassen und gibt dafür den den grundlegenden Rahmen.
Den fachwissenschaftlichen Hintergrund bilden hier sowie im Folgenden vor allem Thomas D. Seeley und Torben Schiffer, ergänzt um Jürgen Tauz. Hier wird sicherlich die eine oder andere kritische Stimme außen vor gelassen – es ist aber auch nicht der Anspruch, eine Diskursanalyse zu verfassen; vielmehr versucht Felix, die vier im Folgenden skizzierten apisitischen Haltungen gleichberechtigt und ohne Wertung nebeneinander darzustellen.

glücklich imkern Buchcover querformat
Buch: Glücklich Imkern.

Glücklich Imkern auf vier verschiedenen Wegen.

Felix stellt im Kapitel 3 die unterschiedlichen „Betriebsweisen der Imkerei“ dar und meint damit, die Motivation bzw. Herangehensweise an die Bienenhaltung. Er differenziert dabei zwischen „Artenschützer*innen, naturnahe oder wesensgemäße Imker*innen, Bioimker*innen [und] konventionelle bzw. extensive Imker*innen“. Einer Wertung unterliegen die Zugänge zur Bienenhaltung nicht. Stattdessen werden die unterschiedlichen Herangehensweisen vor dem Hintergrund „Aufwand“ im Sinne von Zeit und Material betrachtet.
Anschließend widmet er sich den klassischen Fragen der Vorbereitungen (Voraussetzungen schaffen) sowie den imkerlichen Arbeiten im Jahresverlauf. Abschließend wird auf die rechtlichen Voraussetzungen eingegangen, ein F.A.Q.-Teil angeschlossen, bevor im letzten Kapitel „Dein Weg in die Imkerei“ behandelt wird.

freilebende Honigbienenvölker

Spannend ist insbesondere das Beispiel aus Kapitel 1, S. 47, in dem Felix das Überleben freilebender Honigbienen über die Jahrmillionen nachzeichnet. Die Basis bildet das Szenario eines unberührten Waldes (Naturlandschaft), wie er in der deutschen „Kulturlandschaft“ kaum noch existent ist. Angereichert wird dann mit Zahlen von Schiffer und Seeley, anhand derer sich das Überlebensmuster in der „freien Wildbahn“ ergibt. Zusammengefasst in Zahlen:
Ausgehend von 10 Muttervölkern, die zweimal schwärmen und somit 20 Jungvölker bilden, würden statistisch 80% der Muttervölker und 25% der Jungvölker überleben. Die Anfangspopulation von 10 Muttervölkern wäre also im zweiten Jahr auf 13 Muttervölker gewachsen (bei einem „Ausfall“ von 17 oder mehr Völkern).
Folgt man also dem Artenschutz-Ansatz (Baumhöhle) resultiert daraus (lokal) auf kurz oder lang ein totes Bienenvolk, dem sich der Besitzer widmen muss, kann doch ein totes Bienenvolk für die Nachbarvölker schnell zu einem Keimherd von Krankheiten werden. Im Gesamt betrachtet wäre ein zusätzlicher Nistplatz für Schwärme, die jedem Imker mal durch die Lappen gehen, geschaffen worden. Gute Sache, sofern der wichtigsten imkerlichen Tugend gefolgt wird: „Geduld“, bis sich eben ein Schwarm von selbst einnistet; ggf. wäre das Einschlagen eines gefangenen Schwarmes auch ok…

Jahresübersicht und apistisches Handeln

Die Monatsbetrachtungen, die Felix nach den vier Jahreszeiten ausrichtet (Kapitel 5), sind gute, Betriebsweisen-unabhängige Schilderungen der durchzuführenden Arbeiten. Es macht Spaß, Felix in den verschiedenen Perspektiven zu folgen und die Zugangsebenen nebeneinander zu betrachten. Dadurch wird ein individueller Zugang ermöglicht, mit Felix´ Worten: „…um deinen Weg beim Imkern finden zu können.“ (S.148)

mein Fazit zu „glücklich Imkern“

Zusammenfassend heißt es für mich, Felix zu seinem Erstlingswerk „Glücklich Imkern“ zu beglückwünschen. Sicherlich verbergen sich ein paar Diskussionspunkte in dem Buch; einige davon kann der*die Leser*in bereits in den Zusammenfassungen mit sich selbst ausmachen. Auch das erscheint als guter Kniff, um das gesteckte Ziel des Autors zu erreichen: Transparenz schaffen bezüglich der Annäherungswege für Interessierte und angehenden Imker*innen.

Es ist ein unbelastetes Eintauchen in die Imkerei aus verschiedenen Perspektiven oder auf verschiedenen Wegen. Hat der*die Leser*in dann seinen potentiellen Weg gefunden, kann sich der passenden Bienenhaltung bzw. Betriebsweise mit entsprechenden Beutensystemen angenähert werden. Fortsetzungen bzw. Fortschreibungen stehen also aus. Wir dürfen gespannt sein.

Markus, Februar 2022

2 Antworten auf „Rezension zu: Glücklich Imkern von Felix Jäger, geb. Mrowka“

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